Unterlassene Risikoinformation


Zentrales Verkaufsargument für Fremdwährungskredite waren die niedrigen Zinsen in der Fremdwährung. Tatsächlich bestand in den "Boomjahren"  für Fremdwährungskredite von 1995 bis Herbst 2008 ein Zinsvorteil in der Fremdwährung. Je nach Zeitpunkt konnten so 1 bis 2 % Zinsen "gespart" werden.

 

Dass der Schweizer Franken gewissen Schwankungen zum ATS (bzw. EUR) unterliegt, war den meisten Kreditnehmern durchaus bewusst. Hinweise darauf finden sich auch in praktischen allen Kreditunterlagen der Österreichischen Banken. Die "Standardinformation" war weiters, dass sich diese Schwankungen über die langen Laufzeit des Kredites ausgleichen, daher keine praktische Rolle spielen. Allgemein wurden die Schankungen als gering dargestellt, jedenfalls so, dass daraus keine echte Bedrohung entstehen kann.

 

Natürlich macht es einen extremen Unterschied für die Entscheidung, ob man als Kunde davon ausgehen kann, dass die Fremdwährung gleichsam um einen Mittelwert zum EUR schwankt, oder ob die Schwankung auf einer schiefen Ebene stattfindet. Im letzten Fall hilft es nämlich wenig, auf die Zeit zu hoffen.

 

Fakt ist: Die Information, Schwankungen im Schweizer Franken würden sich über die lange Laufzeit ausgleichen und wären daher zu vernachlässigen, war schon 1995 und auch danach unrichtig. Der Schweizer Franken vollzieht bereits seit den 60er Jahren eine relativ stetige Aufwertung zu DM/ATS bzw. EUR/ECU. Dieser Effekt ergibt sich unter anderem aus der Zinsdifferenz. Das bedeutet aber auch, dass der "Zinsvorteil" nur ein scheinbarer war, weil die Aufwertung der Währung diesen kompensiert.

 

Hinzukommt, dass der Schweizer Franken schon in früheren Finanzkrisen massiv aufgewertet hat und die Aufwertung später nur zum Teil wieder zurückgab. Der Effekt der sog. "save harbor flows", ist beim Schweizer Franken lange bekannt, er gilt als Fluchtwährung. Bei Analyse der historischen Zahlen beschränken sich erwartbare Verluste im Schweizer Franken  keineswegs auf den Zinsvorteil, sondern können ein ruinöses Ansteigen der Verbindlichkeiten bewirken.

 

Hinzu kommen noch ein Reihe weiterer wichtiger Informationen, die aus bankfachlicher Sicht hätten erteilt werden müssen um die wahren Risiken des Fremdwährungskredits zu erkennen. 


Werden wesentliche Informationen bei Geschäftsabschluss nicht erteilt, ist die Bank zum Schadenersatz verpflichtet bzw. kann den Kredit nicht in vollem Ausmaß zurückfordern.